Irrtümer Online-Texte - Startbild

Die 10 größten Irrtümer beim Online-Texten

Lange Texte, kurze Texte, Bildunterschriften, Überschriften: Es gibt jede Menge Mythen darüber, wie gute Online-Texte aussehen sollten – oder eben nicht.  Alle diese Aussagen höre ich immer wieder von Teilnehmern meiner Workshops. Aber sind sie auch wahr?

Der Online-Text-Coach räumt mit den zehn größten Irrtümern beim Online-Texten auf und erklärt, worauf Sie achten sollten.

Irrtümer beim Online-Texten: Kurze Texte funktionieren online besser

Kurze Texte funktionieren online besser – vor allem am Smartphone (Credit: Rawpixel/Unsplash)

1. Texte dürfen ruhig lang sein. Zur Not können sie ja ausgedruckt werden

Alle Texter sind davon überzeugt, dass ihr eigener Artikel wichtig ist. Das ist auch gut so, sonst würden sie ihn nicht schreiben. Nur glauben sie, dass alle Fakten auch unbedingt enthalten sein müssen. Schließlich sind ja auch alle interessant.

Das Problem: Die Leser sehen das oft anders. Sie wollen sich oft nur einen Überblick verschaffen und schnell informieren. Der Grund: Leser im Internet sind weniger aufmerksam, das Lesen am Bildschirm ist anstrengender. Das gilt erst recht für mobile Geräte. Online-Texte sollten deshalb möglichst kurz sein und auf die wesentlichen Fakten reduziert sein.

Gerade, wenn es um News und aktuelle Themen geht, reicht ein knapper, informativer Text aus. Faustregel: 500 Wörter sind genug. Komplexere Themen können Sie in kleinere Einheiten aufteilen. Dass jemand einen längeren Text auch ausdrucken könnte, ist kein schlüssiges Argument: Der Inhalt soll ja am Bildschirm funktionieren – und darauf gelesen werden.

Irrtümer beim Online-Texten - lange Texte werden auch gelesen

Auch lange Texte werden gelesen - wenn Interessantes drinsteht. (Credit: Pixabay)

2. Texte müssen unbedingt kurz sein, sonst liest sie niemand

Ja, Sie haben richtig gelesen. Eben habe ich Ihnen erklärt, dass Online-Texte nicht so lang sein sollten, und nun folgt die gegenteilige Aussage? Das ist richtig, denn auch für diese These gibt es Ausnahmen. 

Das soll Sie nicht verwirren, aber tatsächlich stimmt beides. Es kommt eben darauf an: auf die Art des Textes und auf die Zielgruppe, die Sie damit erreichen wollen.

Zu einem aktuellen News-Thema reicht ein kurzer, knackiger Artikel aus. Zu einem umfassenden Ratgeber oder einem lexikalischen Text dürfen es dagegen auch ruhig mal mehr Wörter sein. Warum? Weil diese Artikel keine so kurze Verfallszeit haben. Sie sind nicht nur heute, sondern auch noch in drei Wochen oder drei Monaten interessant – und danach.

Längere Texte werden meist im Hinblick auf Google-Optimierung (SEO) verfasst: Der Autor versucht, möglichst viele der Fragen zu beantworten, die sich ein User zu diesem Thema stellen würde. Das bewertet Google positiv und zeigt den Artikel weiter oben in den Suchergebnissen an. Dafür gibt es allerdings ein paar Voraussetzungen: Der Text muss die wichtigsten Keywords enthalten, und darauf optimiert sein.

Ein Beispiel gefällig? Für die News, dass Samsung einen neuen internetfähigen Toaster herausbringt, reicht ein knapper Text. Für den nutzwertigen Ratgeber „Was das Internet of Things ist und wie Sie sicher darin bewegen“, in dem der vernetzte Toaster als Beispiel genannt wird, können Sie auch einen langen Artikel schreiben. Als Faustregel gelten hier zwischen 800 und 2000 Wörter.

Aber Vorsicht: Es reicht nicht, irgendwie möglichst viele Sätze zu produzieren. Der Text muss dennoch interessant sein und darf den User nicht langweilen. Sonst springt er beim Lesen wieder ab, niemand verlinkt Ihren Beitrag – und das ist für SEO kontraproduktiv.

Irrtümer beim Online-Texten: Andere Struktur von Online-Texten

Beim Schreiben eines Online-Textes müssen Sie auf die Struktur achten (Credit: Marko Greitschus / pixelio.de)

3. Online schreibt man genauso wie bei Print

Online-Texte unterscheiden sich zwar nicht grundlegend von Printtexten: Sie besitzen ebenso eine Überschrift, einen Fließtext und Bilder. Jedoch gilt es, den anderen Zugang der Leser zu den Inhalten zu beachten – und einen der häufigsten Irrtümer beim Online-Texten zu vermeiden. 

Denn viele Schreiber vergessen: Die Hürde der User ist viel höher, bevor Sie zum eigentlichen Text gelangen: Sie müssen erst auf eine Headline und einen Teaser klicken. Der Aufbau eines Textes mit Teaser und Headline auf der einen und dem Fließtext auf einer anderen Seite unterscheidet sich also schon deutlich von Printtexten.

Wegen der geringeren Aufmerksamkeitsspanne vor allem bei mobilen Usern ist es außerdem viel wichtiger als bei Print, so verständlich, einfach und konkret wie möglich zu schreiben. Das hat Auswirkungen: Schreiben Sie lieber kurze Sätze statt lange, bevorzugen Sie kurze Worte und machen Sie es Ihren Usern damit einfacher, Ihren Gedanken zu folgen. 

Irrtümer Online-Texte: Andere Struktur von Online-Texten

Beim Schreiben eines Online-Textes müssen Sie auf die Struktur achten (Credit: Marko Greitschus / pixelio.de)

4. Online-Texte sind genauso aufgebaut wie im Print

Online-Texte müssen übersichtlich und scanbar sein – und das ist viel wichtiger als bei Printtexten. Das heißt, auch flüchtige Leser haben die Möglichkeit, beim Überfliegen wichtige Informationen herauszuziehen. Ein Online-Text braucht mehr Absätze sowie unbedingt Zwischenüberschriften, Aufzählungszeichen, Fettungen – oder andere Elemente, die ihn strukturieren und überschaubar machen.

Das steigert die Motivation der User, sich mit dem Artikel zu befassen. Und das honoriert auch Google: Ein gut strukturierter Text bekommt Pluspunkte bei der Suchmaschinenoptimierung – weil das Thema so für den User besser aufbereitet wird. 

Irrtümer Online-Texten - Überschriften online-Print

Online- und Print-Überschriften unterscheiden sich deutlich (Credit: Pixabay)

5. Überschriften können im Internet und bei Print gleich sein

Zwar können Print-Überschriften auch online funktionieren, aber das ist eher die Ausnahme. Vor allem Print-Redakteure glauben an diesen Mythos – er gehört deshalb zu den häufigsten Irrtümern beim Online-Texten. Generell gilt: Online-Überschriften müssen auf den ersten Blick verständlich und begreifbar sein. Auch dann, wenn Leser sie nur überfliegen.

Sie sollten deshalb kürzer und konkreter sein als bei Print. Eine Magazin-Überschrift wie „Das Leben geht weiter“ zieht den Online-Leser nicht an. Wahrscheinlich eher im Gegenteil. Zum einen handelt es sich um eine Floskel. Zum anderen ist sie nichtssagend, weil der User nicht weiß, worauf sie sich bezieht.

Eine konkrete Aussage würde am Bildschirm mehr Aufmerksamkeit erregen. Prüfen Sie also unbedingt jede Print-Überschrift darauf, ob Sie auch für den Online-Leser ansprechend klingt. Wenn nicht: Finden Sie eine neue Headline.

Irrtümer beim Online-Texten Teaser versus Vorspann

Ein Teaser hat eine ganze andere Funktion als ein Vorspann (Credit: Pixabay/spiegel.de)

6. Ein Teaser und ein Vorspann sind das Gleiche

Ein Teaser und ein Vorspann können zwar derselbe Text sein, aber dennoch haben sie eine ganz unterschiedliche Funktion.

Der Teaser steht allein mit der Headline auf einer Übersichtsseite, etwa der Homepage. Der Vorspann dagegen ist direkt vor dem Fließ text zu sehen. Der Teaser muss Leser überhaupt erst auf das Thema aufmerksam machen – und einen Leseanreiz schaffen.

Er soll User neugierig machen, so dass er den Rest auch noch erfahren möchte. Mehr als ihn (und die Überschrift) sehen User auf einer Webseite vom Text zunächst nicht. Er ist also in der Hierarchie der Textteile viel wichtiger als der Vorspann. Wer ihn vernachlässigt und damit einem der Irrtümer beim Online-Texten erliegt, schreckt wahrscheinlich viele Leser ab.

Auch der Vorspann soll natürlich dazu motivieren, den Text zu lesen. Wenn der User diesen sieht, befindet er sich aber zumindest schon auf der Artikelseite – und hat schon einige Hürden genommen. Es gibt jetzt noch mehr Faktoren, die ihn zum Lesen animieren, etwa der Textanfang, ein großes Bild, ein übersichtlich gestalteter Text.

Irrtümer beim Online-Texten - keine Bilder stehlen

Die schönen Fotos aus Googles Bildersuche dürfen Sie nicht einfach verwenden (Credit: Pixabay)

7. Bilder aus dem Internet darf man auf der eigenen Seite verwenden

Fotos aus der Google-Bildersuche oder von fremden Webseiten dürfen nie einfach kopiert und auf der eigenen Seite verwendet werden. Zuvor müssen in jedem Fall die Rechte geklärt werden. Denn sind die Bilder nicht frei verfügbar, können die Fotografen für die Nutzung auch Geld verlangen.

Fragen Sie unbedingt nach, bevor Sie ein Foto nutzen, oder halten Sie sich an Bilddatenbanken wie Pixabay oder Pixelio. Dort finden Sie lizenzfreie Fotos, meist sogar kostenlos. Allerdings müssen Sie unbedingt bei jeder Aufnahme prüfen, ob und wie Sie die Bildquelle in der Bildunterschrift nennen sollen.

Irrtümer beim Online-Texten Bildunterschrift

Die Bildunterschrift gehört zum Bild (Credit: Pixabay/sueddeutsche.de)

8. Bildunterschriften sind nicht so wichtig

Zu den hartnäckigsten Irrtümern beim Online-Texten gehört der Glaube, dass ein Foto im Internet keine Unterschrift braucht. Das ist aber ein Irrtum. Denn zu jedem Bild gehört idealerweise auch eine Bildunterschrift. Sie ist für alle LeserInnen hilfreich, um das Foto zu verstehen.

Vernachlässigen Sie auch nicht den Alt-Text – das ist die kurze Foto-Erklärung, die angezeigt wird, falls das Foto nicht zu sehen ist.

Dieser ist auch aus Gründen der Barrierefreiheit wichtig: Blinde User wissen mit Hilfe des beschreibenden Texts, was das Bild zeigt. Auch bei der Google-Optimierung spielen Bildunterschrift, Alt-Text und auch der Bildname eine entscheidende Rolle: Taucht dort das Haupt-Keyword auf, wird dies von Google höher bewertet als im Fließtext.

Irrtümer beim Online-Texten - SEO ist wichtig

Vernachlässigen Sie die Google-Optimierung nicht (Credit: Pixabay)

9. Google-Optimierung brauche ich nicht

Nicht jeder Leser ruft eine Seite gezielt auf. Viele informieren sich zunächst bei Google nach einem Thema. Sie suchen nach Schlagworten und klicken dann auf ein Ergebnis, das weit oben in der Liste steht.

Es ist deshalb bei jeder Webseite wichtig, die Suchmaschinenoptimierung (SEO) im Blick zu behalten. 

Bei vielen Webseiten kommt mehr als die Hälfte der User über die Suchmaschine auf die Seite. Wird SEO beim Texten vernachlässigt, verliert man potenzielle Leser.

Irrtümer beim Online-Texten - Links

Links helfen dabei, die Leser auf Ihrer Seite zu halten (Credit: Pixabay)

10. Nicht jeder Text muss Links haben

Links auf andere Artikel Ihrer Webseite sind für Leser wichtige Anreize, um sich tiefgehender über ein Thema zu informieren oder um weiter zu surfen. Idealerweise sollen sie Ihre Webseite nicht gleich wieder verlassen, wenn sie einen Text gelesen haben. Sie wissen aber womöglich noch gar nichts von den anderen, spannenden Artikeln auf Ihrer Seite.

Interne Links helfen, die User zu halten – erst recht, wenn es sich um Links zu Inhalten mit Mehrwert handelt. Nicht zuletzt sind Links auch für SEO wichtig: Sie machen den Text in den Augen von Google interessanter für den Leser – und damit relevanter. Das gilt vor allem für Links, die direkt im Text stehen.

Kennen Sie noch mehr Irrtümer beim Online-Texten? Schreiben Sie mir eine E-Mail!

Print Friendly, PDF & Email